Weiler der Valtenesi

Die Staatsstraße teilt die Gegend vertikal in zwei Teile: Der eine ist uferanliegend, der andere belebter und bewegter durch den Moränenhügelgürtel, der das Gardaseebecken im Südwesten umgibt. Die wahre Valtenesi erlebt man beim langsamen Befahren der Nebenstraßen. Zur Valtenesi gehören sieben Gemeinden, zahlreiche Burgen, unzählige Kirchen und viele kleine Ortschaften, die einer Bilderbuchlandschaft gleichen. Der lieblichen Valtenesi begegnet man auf den gewundenen, durch Weingärten und Olivenhaine führenden Straßen. Hier und da stehen am Straßenrand Nussbaum-, schwarze Hagebuchen- und Eichenwälder. Dem aufmerksamen Betrachter entgehen auch die noch verbliebenen Sümpfe, Feuchtgebiete sowie bezaubernden kleinen Seen nicht. Es ist die Valtenesi, der man von Brescia kommend begegnet, wenn man die Kirche dei Morti della Selva hinter sich lässt und nach Padenghe hinunterfährt. Vor dem Besucher liegt nun der Weiler Pratello mit seinen mittelalterlich anmutenden Häusern und Gassen, Portalen und alten Gehöften. Etwas weiter liegt Monte, wo stimmungsvolle perspektivische Verkürzungen, das alte Mühlrad und nicht unweit "il Castello", eine von einem Mauerring umgebene kunstgerecht sanierte Siedlung, verzaubern. Von hier bietet sich ein wunderbarer Ausblick auf die Landzunge von Sirmione. Von Padenghe geht die Fahrt nach Soiano. Die Straße ist von Feuchtgebieten gesäumt und führt nach Carzago Riviera und zum Schloss, wo im Sommer Freilichtaufführungen stattfinden und im Wald ein Fitnesspfad zur körperlichen Ertüchtigung einlädt.
Polpenazze ist ein stimmungsvoller Flecken, dessen althergebrachte Schönheit fachmännisch aufgefrischt wurde; sie ist zu bewundern an der Piazza, in den Straßen, in der Pfarrkirche und am "Panorama-Kirchplatz". Castelletto dagegen liegt in einer grünen Mulde an einer wenig befahrenen Straße, die eine Abzweigung der nach Muscoline führenden Provinzstraße ist, weitere Hügel anstrebt und zu neuen Spaziergängen auffordert. Für den Touristen hält die Valtenesi jedoch noch andere Überraschungen bereit: Puegnago mit seinem Vorort Mura, die Seen von Sovenigo, das ellipsenförmige Schloss und der große Balkon über dem Gardasee, der bis hinunter zum Seeufer Ländereien, Weiler und Siedlungen beherrscht. An sonnigen Tagen scheint das Veroneser Seeufer von hier nur einen Steinwurf weit entfernt zu sein. Es ist die Valtenesi des ruheliebenden Urlaubers; sei es nun zu Fuß, im Sattel des Fahrrades oder gar hoch zu Ross. Das Auto vergisst er lieber. Dafür nimmt er die Natur, Landschaftsbilder, Vogelgezwitscher, die Architektur wunderschöner Sakralbauten, bunte Felder und Glockenschläge in sich auf und erfreut sich an stärkenden Rasten, Tafelfreuden und Gastmählern. Monteacuto, noch zu Puegnago gehörend, fi ndet man mitten auf dem Land in Richtung Uferstreifen.
Auf der Hochebene über San Felice, gegenüber dem Golf von Salò, liegt Cisano, wo Antikes und Neues, Restauriertes und Zeitgemäßes sich beispielhaft zu einem Ganzen fügen: Paläste, Häuser mit strenger Fassade sowie der Palazzo Cominelli als Sitz einer Stiftung, die im Sommer ansprechende Veranstaltungen zu Kunst und Kultur ins Leben ruft. Und schließlich Manerba. Das kleinere Manerba. Manerba mit seinen vielen Weilern und ebenso vielen Kirchen. Das weniger bekannte Manerba, das man zum Beispiel entdeckt, wenn man von der Dorfkirche einen Feldweg hinaufschlendert und der Blick plötzlich auf einem Rio d'Avigo geheißenen Wasserlauf verweilt, der mitten in üppigem Grün im Wettstreit mit dem Gezwitscher der Vögel plätschert. Und weiter oben der beinahe am Berg klebende Landflecken Balbiana, der den Betrachter fast glauben lässt, sich in der Toskana zu befinden.


Text: Piergiuseppe Pasini
Foto: Lagodigardamagazine.com®
Verleger: Acherdo

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